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Die Geschichte des Fertigbaus (Teil 1)

17. Oktober 2016

Heute ist jedes sechste neue Eigenheim in Deutschland ein Fertighaus. Die einst revolutionäre Idee, Häuser in Fabriken vorzufertigen, hat sich nicht nur etabliert, sondern findet zunehmend mehr Anhänger. Wo aber hat das Fertighaus seinen Ursprung und wie hat es sich über die Jahre entwickelt? Wir starten die kleine Zeitreise durch den Fertigbau zunächst zu Zeiten Da Vincis bis hin zu den 1970er Jahren.

Um das Jahr 1500 herum soll Leonardo Da Vinci bereits der Vorreiter des Fertigbaus gewesen sein. Er lies die “Casa mutabile”, die erste Art eines Holzfertighauses, am Ufer des Tigris in Italien erbauen. Das Haus soll vollständig vorgefertigt gewesen und anschließend aufgestellt worden sein. Existieren tut das Gebäude heute allerdings/leider nicht mehr.
In Nordamerika wurde zur Zeit des “Wilden Westens” schon viel mit Holz gebaut. Mit dem Beginn des Goldrausches 1849 kamen zahlreiche Einwanderer, die schnell eine Unterkunft brauchten. Hierfür eigneten sich auch damals schon Holzfertighäuser, da man sie direkt nach dem Aufbau beziehen konnte. In Anbetracht des schnellen Bevölkerungszuwachses also eine effiziente Lösung.
Um 1900 entwickelte dann Gustav Lilienthal, der Bruder des Flugpioniers Otto Lilienthal, sogenannte “Terrast Häuser”, welche vollständig vorgefertigt waren und vor Ort nur noch zusammengesetzt werden mussten. Für die Bauherren entstand dadurch ein großer Vorteil: keine langen Wartezeiten mehr für die Fertigstellung des Eigenheims.
In den 50er Jahren entstanden schließlich aus ehemaligen Zimmereien die ersten industriellen Fertighaushersteller, wovon die meisten heute noch existieren.

Die generelle Nachfrage nach Häusern wuchs zwar in Folge der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, dem Fertigbau fehlte es allerdings noch an Bekanntheit, um zu dieser Zeit Wurzeln zu schlagen. Um dem entgegen zu wirken, entstanden erste Musterhäuser zur besseren Veranschaulichung der Vorteile eines Fertighauses. Die ersten Kunden für Fertighäuser waren dann Bauherren, die sich für moderne, neue Bauweisen interessierten und der bisher unbekannten Fertigbauweise schnell vertrauten.

Einen Aufschwung für den Fertigbau markieren die 1960er Jahre aufgrund des Baubooms in Zusammenhang mit dem Wirtschaftswunder der 1950er und 60er Jahre. In dieser Zeit konnten sich viele Familien den Traum vom Eigenheim verwirklichen.
In Folge der hohen Nachfrage an Eigenheimen, entwickelten sich die Fertighaushersteller zu einer eigenen Branche, woraufhin der Vorläufer des Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. 1961 gegründet wurde. Die Branche hatte allerdings immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen und musste sich daher immer wieder neu erklären und beweisen.

Trotz der vorherrschenden Vorurteile, waren Fertighäuser auch damals schon Energiesparhäuser, was wesentlich zu dem Erfolg der Fertigbaubranche in den 1970 Jahren beigetragen hat. Der Energiekrise in den 70ern konnte der Fertigbau nämlich, aufgrund seiner energieeffizienten Bauweise, entgegenwirken: Fertighäuser konnten damals schon den k-Wert (Heizwärmeverlust) unterbieten.
Ein weiterer Grund für den Erfolg in den 70ern war, dass die Branche immer enger mit den Bausparkassen zusammengearbeitet hat, wodurch die Finanzierung eines Hauses im Allgemeinen erleichtert wurde.

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